Eine taube Katze zeigte mir, wie man das Leben noch leichter nehmen kann.

Ein weißer Kater musste ein paar Stationen einlegen, bevor er bei mir vor über einem Jahr, im Juli 2021, gelandet ist.

Angeblich wurde er in Brunn (nahe Waidhofen an der Thaya) mit einer Lebendfalle gefangen.

Er kam zu einem Tierarzt wo er kastriert und auf 1-2 Jahre geschätzt wurde. Eine Kundin, die dort 2 Wochen zuvor ihren weißen Kater einschläfern lassen musste nahm ihn mit zu sich nach Hause. In eine Wohnung, wo er sich mit der bereits vorhandenen Katze nicht vertrug und auch wieder raus wollte. Eine Freundin ihrer Tochter bot an den Kater zu sich zu holen, wo er wieder zum Freigänger wurde. Sein neues Zuhause war maximal 100 Meter von meinem entfernt und nach nur einem Monat fand er den Weg zu mir und blieb.

Er hatte keinen Namen. Wozu auch, er ist taub und konnte das rufen ja nicht hören. Diese Taubheit war das Erste, was mir etwas lehrte und schon wusste ich den Grund, warum er zu mir kam. Ich brauchte einen Lehrer um in meiner persönlichen Entwicklung weiterzukommen und da ist er nun. Ein tauber weißer Kater, den ich erst viel später den Namen Fuchur gab, da ich fühlte, dass auch er einen Namen haben möchte. Und es gab keinen passenderen Namen. Den Namen trug auch der Glücksdrachen aus der unendlichen Geschichte.

Fuchur der Kater ist etwas Einzigartiges.

Ich habe 4 weitere Katzen. Eine schwarze Katze „Betty“, die die Chefin des Rudels ist. Ihre beiden getigerten Söhne „Speedy“ und „Snore“ und ein weiterer Tiger namens „Steaf“, der im Jänner 2020 endgültig bei uns einziehen durfte, nachdem er sich schon seit Monaten nicht von uns verjagen hat lassen. Er kam auch aus der Nachbarschaft zu uns. Dort waren mit ihm 10 Katzen und 3 Hunde und war die meiste Zeit eingesperrt. Doch er schaffte es immer wieder blitzschnell mit den Hunden bei der Türe auszuschlüpfen und zu uns zu kommen. Es gab zwar anfangs Probleme mit den Vorbesitzern, bis sie erkannten, dass er sich sein zu Hause selber aussuchen will und kein Besitz ist. Dieser Kater war es gewohnt um sein Futter zu kämpfen und erst nachdem er genug bekam ließ er die anderen Katzen etwas mehr in Ruhe. Sein spielen war etwas heftig und hinterhältig, deswegen habe ich auch viel mit ihm geschimpft. Doch ein Gutes hatte es. Bei Speedy entwickelte durch ihn ein Selbstbewusstsein und schaffte es sich nach langer Zeit zu stellen und sich nicht immer wieder vor ihm zu verstecken.

Erst nachdem Fuchur bei uns einzog war schlagartig Ruhe. Fuchur akzeptierte Steaf als Spielkameraden und somit war er plötzlich nicht mehr so hinterhältig und benahm sich erwachsen. Kann auch sein, dass gerade die Pubertät zu Ende war. Egal. Wie dem auch sei, der weiße Kater brachte eine andere Energie ins Haus.

Aufgrund seiner Taubheit geht er furchtlos auf die anderen Katzen zu. Wenn sie murren hört er sie nicht und stupst trotzdem ganz leicht mit seiner Nase an deren Nase um sie zu begrüßen. Snore war jedes Mal verwundert, dass sein Murren nicht ernst genommen wurde. Nur beim Pfauchen änderte sich seine Mimik, die Fuchur erkannte und er schnell das Weite suchte. Aber nicht um sich zu verstecken, sondern um etwas zu entdecken oder einen anderen Spielkameraden zu suchen.

Mir hat diese Beobachtung viel gegeben. Ich wusste von da an, egal wenn andere mich anknurren ich höre einfach nicht hin. Es gilt nicht mir. Sie sind es, die ein Problem haben und wenn sie es wollen kann ich helfen. Doch wenn sie anfangen zu pfauchen, dann gehe ich und habe weiter meinen Spaß im Leben.

Manchmal wussten wir nicht ob er real ist oder eine Illusion. Er war plötzlich weg und plötzlich wieder da. Wir sahen ihn nie weggehen oder den Schlafplatz wechseln. Nur, dass er sich plötzlich immer wo anderes befand. Wenn ich ihn suchte und er nicht im Haus war, konnte ich mir sicher sein, dass es nicht lange dauerte und er um die Ecke kam. Immer, wenn wir nach ihm suchten, kam er bald.

Einmal kam er nicht nach Hause und ich machte mir große Sorgen. Ich stand um 4 Uhr früh auf und ging raus und da hörte ich ihn rufen. Er war in der Garage von der Nachbarin gefangen, diese ihn zu dieser frühen Stunde auf meine Bitte hin befreit hatte. Es braucht keine Laute um zu kommunizieren. Ich lerne immer mehr zu vertrauen, dass auch die anderen Katzen bald nach Hause komme, wenn ich darum bitte. Heuer durfte ich ihren Sommerplatz kennen lernen. 2 meiner Katzen, denen es im Sommer im Garten zu heiß ist fanden ein schattiges Plätzchen beim Bach und jedes Mal wenn ich dort hingehe und rufe kommen sie auch schon gerannt und gehen mit mir nach Hause um nach einer kleinen Mahlzeit wieder dorthin zu wandern. Einmal zeigte mir ein Kater einen weiteren Platz voller stolz, indem er voranging und sich dann auf einen Erdhaufen setze und mich dabei ansah. Er vermittelte mir, dass er sich da auch gerne aufhielt.

Auch wenn Fuchur als Lehrer sehr unkonventionelle Mitteln anwendet, sind sie doch sehr prägend.

Ich habe ihn mir selbst manifestiert.

Und zwar war ein Grund: nachdem mir Nachbarn immer erzählen wollten, wann welche Katze bei ihnen war. Nur konnten sie die 3 Tiger nicht auseinanderhalten. Ich dachte mir dann ‚Warum kann ich nicht eine Katze haben, die man gut erkennt. Aber keine schwarz-weiße, wie die Nachbarskatze, denn sonst wird sie wieder verwechselt.‘ Der 2. Grund dieser Manifestation war: Jedes Mal, wenn wir Videos ansahen, wo eine Katze gezeigt wurde, die etwas runterschmiss, sprachen mein Mann und ich darüber, wie gut es ist, dass wir nicht so eine Katze haben.

Eigentlich wollten wir keine weitere Katze, aber nun war er da. Unverkennbar in reinweißem Fell und fleißig am Sachen runterschmeißen. Jede Nacht flog irgendetwas von einem Kästchen oder Regal auf den Boden und wurde durch die Gegend geschleudert, sodass ich aus dem Schlaf gerissen wurde und schaute was dieses mal wieder zum Opfer gefallen ist.

So zeigte er mir welchen Dekor ich noch herumstehen habe, den keiner braucht. Ich möchte ja ausmisten und auch minimalisieren. Mein Ziel ist es mein ganzes Hab und Gut in ein kleines Häuschen mitnehmen zu können und trotzdem genug Platz zu haben. Bis dahin ist noch viel zu tun. Eigentlich wollte ich es etwas langsamer angehen. Doch seitdem Fuchur fleißig abräumte, sind viele Flächen frei und ich muss sagen, dass ich mich schnell an diesen befreienden Anblick gewöhnt habe und mich dies motivierte schneller auszumisten.

Doch für Fuchur war ich zu langsam. Denn dann kam die Küche dran. Dort stehen die schwereren Geschütze. Als ich die Microwelle aussortierte, habe ich sie als Zwischenstation auf den Holzofen gestellt. Den Drehteller hatte ich gereinigt und oben drauf gelegt. Ich weiß nicht ganz genau, was mir damit gesagt werden sollte. Ob ich nächstes Mal alles sorgfältiger auf- und einräumen soll oder ob die Microwelle aufgrund der Strahlung niemand bekommen soll und deswegen der Mistplatz der geeignete Ort dafür ist. Denn dorthin wurde er verfrachtet, nachdem der gläserne Drehteller durch Fuchurs Hilfe in Millionen von Splittern auf dem Fliesenspiegel landete. Ich saugte zeitig in der Früh alles weg, damit sich niemand verletzt und entdeckte, dass auf einer Fliese ein Stück weggebrochen ist. Tja ist jetzt so. Was soll ich machen? Sehen tut man es eher, wenn man es weiß.

Den letzten Flugversuch durfte eine volle 1-Liter-Wasserflasche unternehmen. Glassplitter und ein Liter Wasser auf dem Boden sind um 3:30 Uhr Früh eine aufmunternde Sache. Eine Stunde benötigte ich für die Aufräumaktion und Fütterung der Katzen, da diese meinten, wenn das Frauchen schon mal auf ist, dann kann sie uns auch gleich bedienen.

Am Morgen sah ich, dass ein Stück vom Laminatboden abgesplittert ist. Jetzt habe ich schon insgesamt 4 kleine Schäden auf dem Küchenboden.

Da kam die nächste Erkenntnis.

Schon als ich von der Wohnung in das Haus gezogen bin, dachte ich mir, dass es nach einem Muster aussieht. So ca alle 20 Jahre übersiedele ich. Mit 19,5 Jahre zog ich von der Elternwohnung in meine erste Wohnung in Wien. Mit 29,8 Jahren wanderten wir mit allem ins Haus im Waldviertel.  Damals dachte ich schon, wenn das Muster so weitergeht werde ich mit 60 ausziehen. Das wäre nun in 8 Jahren. Es gibt einiges das in diesem Haus noch gar nicht fertig ist. Doch mir wurde schon von Anfang an prophezeit, dass man mit einem Haus niemals fertig wird. Irgendwie habe ich das angenommen und so wird es auch sein, denn ich habe keine Lust mehr etwas fertigzustellen oder sogar zu renovieren.

Noch letztes Jahr hatte ich folgendes auf den Plan:  Einen Teil vor der Garage und den Parkplatz vor dem Haus zu pflastern. Die Stufen im Haus zu streichen und mit Teppichplatten bekleben. Das obere Badezimmer und untere Vorzimmer neu streichen und der Schrankraum komplett neugestalten.  Die Türblätter im unteren Bereich weiß streichen und neue Anschläge verpassen. Doch plötzlich ist alles anders. Der Kater hatte mir den Boden in der Küche beschädigt. Dieser ist nicht so einfach auszuwechseln, da eine Einbauküche darauf steht. Dann war da noch der Gedanke in ein kleineres Haus zu ziehen, da 200m² für die Pflege schon viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt und so viel Platz gar nicht notwendig wäre. Später in der Zukunft wird man sowieso mehr Zeit in der Natur verbringen.

Ich habe alles richtig gemacht. Ich brauchte das große Haus um zu zeigen, dass manifestieren in jeder Größenordnung möglich ist. Doch nun kehre ich zu mir zurück und dazu braucht es keinen Materialismus. Nur so viel, was der manifeste Körper benötigt, wie Essen und Wärme, was die Grundbedürfnisse für ihn sind.

Somit hatten wir im heurigen Sommerurlaub keinen Plan. Wir lebten in den Tag hinein und die Leisten und Wandfarben und Stufenteppich, blieben wo sie waren. Vielleicht brauchen wir sie im neuen Heim oder wir geben sie mit dem Haus ab. Auch wenn es erst in 8 Jahren ist. Diese 8 Jahre werden genossen, egal wie das zu Hause aussieht. Hauptsache wir fühlen uns wohl.

Es ist unser Zuhause und nicht das der Gesellschaft.

 

Aber zurück zu Fuchur. Er hat durch sein weißes Fell immer wieder irgendwelche sichtbaren Flecken. Mal braun, mal schwarze Flecken auf der Nase oder sogar mit rosa Flecken kam er schon nach Hause. Schmutz ist immer gut zu sehen auf ihm und trotzdem geht er stolz durch die Gegend und es ist im egal, wenn man über ihn lacht.

Im Sommer trage ich gerne einen verwaschen Kurzoverall für die Haus- und Gartenarbeit. Früher, wenn ich schnell noch etwas einkaufen wollte, habe ich mich dafür immer umgezogen. Der Kater zeigte mir, dass es egal ist was andere über mich denken. Rein in die Sandalen und schon geht’s los. Niemand interessiert sich für dein Outfit. Alle sind so sehr mit sich selbst beschäftigt. Ein Lächeln in deinem Gesicht ist der schönste und strahlendste Schmuck, den du an dir trägst.

 

Somit überdenke auch du nochmal dein Leben. Lebst du schon für dich oder immer noch für die Gesellschaft? Erfüllst noch immer die Erwartung andere oder erfüllst du dir persönlich jeden Wunsch?

Mach es wie mein weißer Kater Fuchur. Entdecke das Leben neu, wie du es als Kind getan hast, bevor dir jemand eingeredet hat was gut für dich ist.

 

Liebe Grüße Edith

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